Jagdzeit
Seehund Saarland
Der Seehund (Phoca vitulina) ist die haeufigste heimische Robbenart an den deutschen Kuesten von Nord- und Ostsee. Mit einer Koerperlaenge von 1,20 bis 1,80 m und einem Gewicht von 60 bis 100 kg gehoert er zu den groessten Saeugetieren des Wattenmeeres. Sein Fell ist kurz und je nach Tier hell- bis dunkelgrau mit charakteristischer Fleckung. Der Seehund ist in Deutschland in Anhang II der FFH-Richtlinie gefuehrt und unterliegt zwar formal dem Bundesjagdgesetz, ist aber seit 1974 ganzjaehrig geschont. Eine Bejagung findet nicht statt. Damit faellt der Seehund in den Bereich der Hegepflicht der Jaegerschaft, ohne dass eine Strecke erzielt wird.
— Heute geschont
Wann darf Seehund in Saarland bejagt werden?
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Über Seehund
Lebensraum und Verbreitung: Der Seehund besiedelt in Deutschland vor allem die Kuesten der Nordsee, mit deutlichem Verbreitungsschwerpunkt im Wattenmeer von Schleswig-Holstein und Niedersachsen sowie an der Hochseeinsel Helgoland und ihrer Duene. In der Ostsee ist die Art dagegen aeusserst selten geblieben, dort wird der Bestand auf wenige Hundert Tiere geschaetzt, die vorwiegend an daenischen Inseln und an der schwedischen Suedkueste vorkommen. Seehunde sind eng an Sandbaenke gebunden, die bei Ebbe trockenfallen. Auf diesen Liegeplaetzen ruhen sie, gebaeren ihre Jungen und vollziehen den jaehrlichen Fellwechsel. Im Wasser sind sie ausgezeichnete Schwimmer und Taucher, die Tauchgaenge in mehrere hundert Meter Tiefe bewaeltigen koennen und dabei bis zu rund 30 Minuten unter Wasser bleiben. Auf ihrem Speiseplan stehen ausschliesslich Fische wie Hering, Sprotte, Stint, Dorsch und Plattfische, mit einem Tagesbedarf von 3 bis 5 kg.
Population im Wattenmeer: Historisch lebten im gesamten Wattenmeer schaetzungsweise rund 39.000 Seehunde, bevor jahrhundertelange Bejagung und spaeter Schadstoffbelastung den Bestand drastisch reduzierten. In den 1970er Jahren waren entlang der gesamten Wattenmeerkueste nur noch rund 4.000 Tiere uebrig. Nach Einstellung der Jagd und mit fortschreitendem Gewaesserschutz erholte sich die Population sichtbar. Die gemeinsamen trilateralen Zaehlungen der Wattenmeerstaaten (Deutschland, Niederlande, Daenemark) zeigen heute wieder Bestandszahlen von ueber 20.000 erwachsenen Tieren im internationalen Wattenmeer. Damit gilt die Nordseepopulation als ungefaehrdet, waehrend die kleine Population der suedlichen Ostsee weiterhin als stark gefaehrdet eingestuft wird.
Schutzgeschichte und Staupe-Epidemien: Die Erholung des Bestandes verlief nicht linear. Zweimal wurde die Wattenmeerpopulation durch grossflaechige Staupe-Epidemien (Phocines Staupe-Virus, PDV) zurueckgeworfen. Im Jahr 1988 starben rund 60 Prozent der Tiere, etwa 23.000 Seehunde verendeten in Nord- und Ostsee. Im Jahr 2002 forderte eine zweite Welle ueber 30.000 tote Seehunde, davon allein rund 10.800 im Wattenmeer. Als Ursprung gilt jeweils das Kattegat, von wo das Virus, vermutlich eingetragen durch arktische Robbenarten wie Sattel- und Klappmuetzen, in die Wattenmeerbestaende einwanderte. Trotz dieser Rueckschlaege konnte sich die Population in den jeweils folgenden Jahren wieder erholen, was als Beleg fuer den stabilen Lebensraum Wattenmeer und das funktionierende Schutzregime gilt.
Wildbeobachtung und Reha-Stationen: Seehunde sind in den Sommermonaten von Mai bis September besonders gut von Schiffen aus zu beobachten, die Seehundbaenke gezielt, aber abstandswahrend ansteuern, etwa ab den ostfriesischen und nordfriesischen Haefen oder rund um Helgoland. Verlassene oder verwaiste Jungtiere, sogenannte Heuler, duerfen in Deutschland ausschliesslich von zwei zugelassenen Stationen aufgenommen werden: der Seehundstation Friedrichskoog (Schleswig-Holstein) und der Seehundstation Norddeich (Niedersachsen). Beide Einrichtungen ziehen jedes Jahr gemeinsam rund 400 Heuler auf und wildern die genesenen Tiere wieder im Wattenmeer aus, mit Aufzuchterfolgen von rund 96 Prozent.
Bedeutung fuer Jaegerinnen und Jaeger: Auch wenn der Seehund nicht bejagt wird, bleibt er fuer die Jaegerschaft relevant. Er steht im Jagdrecht und untersteht damit der Hegepflicht nach Paragraph 1 Bundesjagdgesetz. Praktisch heisst das: Beobachtung von Liegeplaetzen, Meldung kranker oder verendeter Tiere an die zustaendigen Behoerden oder direkt an die beiden Stationen, sowie Mitwirkung beim Monitoring durch das Niedersaechsische Landesamt fuer Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) und die Schutzgebietsverwaltungen. Wer im Kuestenrevier jagt oder dort als Gast unterwegs ist, sollte die Liege- und Wurfzeiten der Seehunde kennen und Stoerungen auf den Sandbaenken konsequent vermeiden. Hunde gehoeren in Kuestennaehe an die Leine. Im Sinne einer modernen, artenschutzorientierten Jagdpraxis traegt die Jaegerschaft so zur Sicherung eines der sichtbarsten Wildtiere der deutschen Kueste bei.
Quellen
- Bundesamt fuer Naturschutz: Phoca vitulina (Seehund), Artenportrait inkl. FFH-Anhang II
- Deutscher Jagdverband: Tiersteckbrief Seehund (Phoca vitulina)
- Deutsche Stiftung Meeresschutz: Seehund, Lebensraum und Verbreitung in Deutschland
- Nationalpark Wattenmeer: Wissensbeitrag Seehund
- Schutzstation Wattenmeer: Das Robbensterben 1988 und 2002
- Seehundstation Norddeich: Seehundstaupe und Populationsentwicklung
- Seehundstation Friedrichskoog: Information, Aufzucht, Forschung (Flyer)
- NABU Niedersachsen: Grosssaeuger des Wattenmeers, der Seehund
- Gemeinde Helgoland: Der Seehund, Meeressaeuger auf Helgoland
- LAVES Niedersachsen: Seehundmonitoring
- Bundesjagdgesetz (BJagdG), Volltext
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